Das Klima braucht Taten und nicht Symbolgesetze

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Dass Greta Thunberg kürzlich Atomenergie als mögliche Lösung für das Klimaproblem ins Spiel brachte, hat man überhört. Auch in der Klimadebatte kann nicht sein, was nicht sein darf. | Foto: Photo News

Das Klimasondergesetz ist vom Tisch. Es gibt im föderalen Parlament dazu nicht die erforderlichen Mehrheiten. Das ist ok. Es hätte eh nicht den CO2-Ausstoß gesenkt. Es müssen Taten her, nicht Wort, analysiert GE-Chefredakteur Oswald Schröder.

Die alten Germanen praktizierten bei ihren Volksversammlungen, auch Thing genannt, ein kluges System: Nach durchzechter Nacht wurden die Beschlüsse des Vortages noch einmal aufgerufen und ein zweites Mal zur Abstimmung gebracht. Im buddhistischen Dhammapada, dem „Pfad der Lehre“ heißt es im sechsten Vers: Man denkt oft nicht daran, sich selbst zurückzuhalten. Wer aber daran denkt, der lässt den Zorn erkalten.

Genau diese Herangehensweise sollte man von einem Parlament, in dem immerhin 150 gewählte Volksvertreter sitzen, auch erwarten dürfen. Es ist nicht, weil die Straße grollt oder die Jugend – übrigens vollkommen zu Recht – ungeduldig wird, dass man alles über‘s Knie brechen muss.

Natürlich kann man entgegenhalten, dass die europäische Politik, als die Banken und der Euro in Bedrängnis kamen, auch über Nacht weitreichende Beschlüsse gefasst und Milliarden Euro zu deren Rettung freigemacht hat. Das sogenannte Klimagesetz ist aber von ganz anderer Natur. Es enthält nicht etwa konkrete Maßnahmen zur Reduzierung des Kohlenstoffdioxid-Ausstoßes, sondern bekräftigt nur (bekannte) Klimagas-Einsparziele und regelt die Zusammenarbeit der Gliedstaaten in der Klimapolitik regeln.

Keine Frage: Die Kooperation in Klimafragen zwischen Föderalstaat und vor allem den Regionen hat bislang nur mangelhaft funktioniert. Das darf aber kein Grund sein, jetzt, unter einer geschäftsführenden Regierung, die Verfassung holterdiepolter zu ändern.

Natürlich hätte längst viel mehr geschehen müssen. Natürlich kann das Klimathema auch kein belgisches Thema sein, auch wenn jeder Einzelne, jede Kommune und auch die DG ihren Beitrag leisten müssen, damit die globalen Ziele erreicht werden.

Dazu geschieht aber wenig Konkretes. Und hier liegt der größte Fehler der jetzigen Debatte. Es ist nicht, weil man das Thema in die Verfassung hebt, und sich – erneut – zu ehrgeizigen Zielen bekennt, dass ein Gramm CO2 weniger ausgestoßen wird. Und es reicht auch nicht, wenn man sich, wie vor allem in Deutschland zu beobachten, auf das Thema Verkehr beschränkt und den dieselgetriebenen PKW zum Blech gewordenen Teufel hochstilisiert.

Es muss eine globale Anstrengung her, die alle Bereiche des Lebens umfasst und erwiesen nachhaltige Methoden einer sauberen Energiegewinnung fördert. Der weltweite Kohlenstoffdioxid-Ausstoß hat 2018 den traurigen Rekord von 33 Milliarden Tonnen erreicht. Europa ist mit rund 13% dafür verantwortlich. Der gesamte Verkehr in Europa trägt aber zu gerade einmal 2% zu diesem CO2-Ergebnis bei. Kurz formuliert heisst das, dass, selbst wenn jeder PKW in Europa zu 100% klimaneutral wäre, der weltweite CO2-Ausstoß dadurch nicht einmal zurückgehen würde.

Es müssen also ganz andere Maßnahmen ergriffen werden, als progressiv Diesel-PKW durch (ohnehin alles andere als klimaneutrale) batteriegetriebene Elektroautos zu ersetzen. Auch kann man nicht die Globalisierung vorantreiben und gleichzeitig erwarten, dass Menschen in Ländern, die heute weniger als 10% unseres Umweltverbrauchs haben, dort hängenbleiben. Denn jeder Fortschritt führt zu erhöhtem Umweltverbrauch. Und man muss, drittens, die Ehrlichkeit besitzen, dem Bürger klaren Wein bezüglich der Kosten einzuschenken: Es geht um Billionen. Doch wer tut das schon gern vor Wahlen. Dabei hat gerade die engagierte Jugend diese Ehrlichkeit verdient!

  1. Wir lachen oft über die Britten, die scheinbar überhaupt nicht mehr wissen was sie wollen, aber sind unsere Politiker besser?
    Ziele festzulegen, ob in der Verfassung oder in Gesetzen, ist absoluter Blödsinn.
    Was sich daraus ergibt lässt sich an zwei Beispielen einfach verdeutlichen.
    Man beschliesst die Atomkraftwerke abzuschalten, zeigt aber keine Alternativen auf, es sei denn Gaskraftwerke, welche dann wieder CO2 ausstossen, wovon man doch behauptet dass dies ein Treibhausgas ist und den Klimawandel verursacht.
    Man verteufelt und verteuert den Dieselkraftstoff. Als Folge werden weniger Diesel und mehr Benziner verkauft. Nur, die Benziner produzieren viel mehr verteufeltes CO2 als die Diesel. Folge : der CO2 Ausstoss in Belgien steigt.
    Zwei Massnahmen die eine breite Unterstützung der Weltenretter fanden und die genau das Gegenteil vom dem bewirken was andere so vehement fordern. Was denn nun?
    Dem Bürger kosten allein diese beiden Massnahmen Unmengen an Geld und klimafeindlich sind sie auch noch dazu. Na Bravo!

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