Regionalparlamentswahlen spannend: mutige Frauen für Namur

Kommentar

Anne Kelleter hat schwere Wochen hinter sich. | Foto: GE-Archiv

Ostbelgien ist keine Insel. Es wird oft wiederholt, bei jeder Wiederholung zeigt sich aber auch, dass die Binsenweisheit viele Gesichter haben kann. Der jüngste Fall, der zeigt, dass Ostbelgien auch nicht von Phänomenen verschont bleibt, die auch andere Regionen treffen, ist das Hin und Her um die Kandidaten für die Wahl zum Wallonischen Regionalparlament (WRP).

Die Kandidatensuche der ostbelgischen Parteien für das Wallonische Regionalparlament hat sich zu einem regelrechten Krimi entwickelt. Jahrelang war Edmund Stoffels (SP) so etwas wie das ostbelgische Gesicht in Namur. Frühzeitig hatte Stoffels kommuniziert, dass er nicht wieder für Namur antreten wird. Zuletzt hatte er mit Jenny Baltus-Moeres eine liberale Kollegin an seiner Seite. Auch sie kandidiert nicht erneut.

Sonja Cloot (SP), die erst im Herbst in den Lontzener Gemeinderat gewählt wurde, wird versuchen, in die Fußstapfen von Edmund Stoffels zu treten. Von ihr hört man nicht sehr viel. Wen die CSP nominieren wird, ist noch offen. Dafür haben Anne Kelleter (Ecolo) und Christine Mauel (PFF) umso mehr für Aufsehen gesorgt. Während Mauel bereits mit ihrem Rückzug von der Spitze der Ecolo-Liste für den Bezirk Verviers und damit von einem sicheren Mandat im wallonischen Parlament für Aufsehen gesorgt hatte, schaffte sie es, nur wenige Wochen später, auf noch spektakulärere Weise, erneut in die Schlagzeilen, als sie sich von MR/PFF präsentieren ließ.

Die Grünen selbst sorgten dann noch einmal für Schlagzeilen, als die Partei Anne Kelleter als neue Spitzenkandidatin präsentierte. Wir als GrenzEcho haben es zu dem Zeitpunkt als unsere Pflicht erachtet, die Öffentlichkeit über Probleme der neuen Ecolo-Spitzenkandidatin mit der Justiz aufmerksam zu machen. Wir waren dabei gefangen zwischen unserer üblichen Diskretion bei Gerichtssachen (wir nennen keine Namen) und unserer Informationspflicht.

Jetzt sind Ecolo und Anne Kelleter in die Offensive gegangen und klären die Öffentlichkeit selbst über die Vorgänge um Cannabiskonsum und nachlässigen Umgang mit Cannabis konsumierenden Personen in ihrer Wohnung auf. Das ist mutig und verdient Respekt. Von einer Partei, die an sich und andere höchste ethische Maßstäbe anlegt, darf man das erwarten. Man hätte sich gewünscht, dass alle, die sich zu der Person und den Vorkommnissen geäußert haben, ähnliche Maßstäbe hätten gelten lassen. Das war im Internet und in den sozialen Medien nicht immer der Fall. Schlimmer: Es geschah oft anonym und beschränkte sich nicht auf die Person Anne Kelleter. Damit wurde weit über das Ziel hinaus geschossen und Grundregeln eines respektvollen Umgangs miteinander verletzt.

Auch Christine Mauel hat ihre Beweggründe für ihren spektakulären Wechsel dargelegt. Der Wähler hat es nun in der Hand, in Kenntnis der Sachlage sein Urteil zu fällen und sein Kreuz bei der Wahl zu setzen. Kelleter wird ins WRP einziehen. Wer sie begleitet, bleibt bis zum 27. Mai offen: die Listenverbindungen garantieren Spannung.

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