PFF will mit erfahrenen und neuen Kräften fünften Sitz zurückerobern

DG-Wahlen

Mit einer Mischung aus erfahrenen und neuen Kräften will die PFF am 26. Mai punkten. Isabelle Weykmans (M.) führt die Kandidatenliste an. | Foto: David Hagemann

Ohne große Überraschungen präsentiert sich die PFF für die anstehenden Gemeinschaftswahlen. Mit der amtierenden Ministerin Isabelle Weykmans an der Spitze, Parlamentspräsident Alexander Miesen und dem Fraktionsvorsitzenden Gregor Freches sowie Parlamentsmitglied Evelyn Jadin auf Platz drei und vier setzen die Liberalen auf bewährte Kräfte. Daneben viele neue Gesichter.

Von Oswald Schröder

Auf den Tag genau zwei Monate vor dem wichtigen Urnengang am 26. Mai stellte die PFF am Dienstagabend ihre Liste für das Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft vor. Mit aktuell vier Abgeordneten ist die PFF im PDG vertreten. Künftig sollen es, nach dem Willen von Parteipräsidentin Kattrin Jadin und Spitzenkandidatin Isabelle Weykmans, wieder fünf sein. Wie vor zehn Jahren, als man mit Isabelle Weykmans und Bernd Gentges mit zwei Ministern in die DG-Regierung einzog. Der Sohn des früheren Ministers fehlt auf der aktuellen Liste. Er tritt, nach eigener Aussage, aus beruflichen Gründen nicht mehr an. Dass der fünfte Sitz kein Zuckerschlecken wird, darin ist man sich bei den „Blauen“ einig.

Mit Max Munnix (Hergenrath) und Christine Mauel (Hauset) stehen auf den Plätzen fünf und sechs der Liste zum einen ein Kabinettsmitglied von Ministerin Weykmans und zum anderen die Kandidatin, die bei der Vorstellung der Listen für die Regionalwahl mit ihrem Wechsel von Ecolo zu den Liberalen für Schlagzeilen gesorgt hatte. Sollte die PFF ihr Wahlziel erreichen und weiterhin einen Minister stellen, könnten beide ins Parlament einziehen. Listendrücker ist Provinzialrat Yves Derwahl.

Nach einer kurzen Einleitung durch Parteipräsidentin Kattrin Jadin, die zu berichten wusste, dass Isabelle Weykmans „sehr schnell vom Regionalvorstand als Spitzenkandidatin bestätigt wurde“, übergab sie der amtierenden Kulturministerin der DG das Wort.

„Warum haben wir uns entschieden, uns in das politische Leben einzubringen?“ fragte die Ministerin in den Raum. „Es ist unsere Heimat“, so Weykmans, „und wir möchten sie noch lebenswerter machen“. Sie sei stolz, mit dazu beigetragen zu haben, dass „98 % der Ostbelgier sich in ihrer Heimat wohlfühlen“. Man wolle immer weiterkommen, und man habe es geschafft, den Unterschied zu machen. Man habe „das gerechteste Kindergeld Belgiens“, man habe auf die Veränderungen am Arbeitsmarkt reagiert, mehr Mittel für die berufliche Ausbildung zur Verfügung gestellt, „die Refinanzierung der DG haben wir ermöglicht, mit der aktiven Hilfe unserer Föderalabgeordneten Kattrin Jadin“, so Isabelle Weykmans. Es habe, das sei einmalig, in einer Legislaturperiode gleich drei Kompetenzübertragungen von der Wallonischen Region an die DG gegeben, 81 % habe man mehr in die Kultur investiert, mit „Kultur macht Schule“ erreiche man mehr als 14.000 Schüler. Man habe 580 Infrastrukturprojekte durchgeführt, eine nie da gewesene Investition. Weykmans fügte noch weitere Beispiele einer „erfolgriechen Regierungsarbeit“ an. Trotzdem sei das nicht genug. In Zukunft möchte man noch weiter gehen. Drei Schwerpunktfelder stellt die PFF in den Mittelpunkt ihres Programms.

Isabelle Weykmans, seit 2004 Ministerin in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, wird die PFF-Liste in den Wahlkampf führen. Sie skizzierte drei Schwerpunkte für die nächste Legislatur: Digitalisierung, Stärkung von Stärken und Chancengleichheit.

Erstens: die Digitalisierung. Diese breche nicht einfach „auf uns herein“. Es gelte, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Dafür sei ein flächendeckender Netzausbau nötig: in Glasfaser, „bis in jedes Haus“. Aber Digitalisierung sei mehr: „Wir brauchen es in der Bildung. Die Frage sei: Was kann ich tun, was die Maschine nicht kann. Daher müsse die Kreativität in der Bildung gefördert und ausgebaut werden.

Ein zweiter Schwerpunkt sei, die „Stärken zu stärken“. Wo sind wir stark, was können wir weiter verbessern? „Stark sind wir im ländlichen Raum, der Perspektive hat, wo jeder in seinem Dorf leben bleibt und wo es sich gut leben lässt“. Dafür sei die „ländliche Entwicklung“ wichtig. Eine weitere Stärke, so Weykmans, seien das Ehrenamt, 200 Sportvereine, 150 Kulturvereine… Hier müssten die Rahmenbedingungen stimmen. „Das Selbermachen muss möglich bleiben, das ist ein liberaler Urwert“. Auch die Mehrsprachigkeit sei eine ostbelgische Stärke. Dafür müssten flächendeckend bilinguale Schulen eingerichtet werden. „Wir haben eine starke Wirtschaft“, die brauche eine gute Ausbildung.

Ein dritter Schwerpunkt ist für Weykmans die Chancengleichheit. Die gehe z.B. auch über Bildungsgerechtigkeit. Diese dürfe kein Privileg der Privilegierten sein, Förderpädagogik müsse ausgebaut werden. „Wir sind dort auf einem sehr guten Weg, aber wir müssen weiter daran arbeiten“. Das Gleiche gelte für die Kinderarmut, „die darf es in Ostbelgien nicht geben“. Inklusion sei wichtig: „Wie können wir hier unterstützen“, sagte Weykmans. Das Wahlprogramm sei ambitioniert. Und um das umzusetzen, brauche man eine starke Mannschaft. Diese stellte dann die Ministerin individuell vor.

Mit einem Durchschnittsalter von 46,5 Jahren und Kandidaten in einer Altersspanne von 18 bis 69 Jahre präsentiert die PFF einen breiten Querschnitt durch die Bevölkerung. Vom Studenten über z. B. eine Anlageberaterin, eine Juristin, einen Stylisten, einen Malermeister und verschiedene Unternehmer bis zu mehreren Rentnern ist eine große Vielfalt an Berufen auf der Liste vertreten. Auffallend, dass nur jeder dritte Kandidat bzw. jede dritte Kandidatin aus dem Süden der Gemeinschaft kommt. Die Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern ist der PFF hingegen gelungen: 13 Kandidaten stehen 12 Kandidatinnen gegenüber, wobei an der Spitze der Liste eine Frau steht.

Zahlreiche Kandidaten, so Weykmans, hätten schon für ihren Gemeinderat kandidiert oder in ihrer Gemeinde Verantwortung übernommen, so Véronique Barth-Gentges, ausscheidende Schöffin der Gemeinde Kelmis, genau wie Max Munnix. Shayne Piront aus St.Vith oder Frederik Wertz, Student aus Raeren, beide kommunale Kandidaten, oder Maëlle Locht, die in Lontzen für den Gemeinderat kandidierte und bei den Kommunalwahlen der DG die jüngste ostbelgische Kandidatin überhaupt gewesen sei. Daneben auch einige neue Kandidaten, so z.B. Larissa Stoffels, Geschäftsführerin des Kinos Scala in Büllingen. Auf dem siebten Platz steht im Karl-Heinz Klinkenberg, Eupens früherer Bürgermeister.

Langanhaltender Applaus, dann das Gruppenfoto: Die PFF scheint bereit.

PDG Wahlen – Liste 6: Die Kandidaten der PFF

  1.  Isabelle Weykmans, Eupen, 39 Jahre
  2. Alexander Miesen, Hergersberg, 36 Jahre
  3. Gregor Freches, Recht, 56 Jahre
  4. Evelyn Jadin, Lontzen, 31 Jahre
  5. Max Munnix, Hergenrath, 24 Jahre
  6. Christine Mauel, Hauset, 37 Jahre
  7. Karl-Heinz Klinkenberg, Eupen, 67 Jahre
  8. Daniel Müller, Amel, 26 Jahre
  9. Maëlle Locht, Lontzen, 18 Jahre
  10. Michael Heck, Elsenborn, 23 Jahre
  11. Melanie Terren, St.Vith, 22 Jahre
  12. Frederik Wertz, Raeren, 22 Jahre
  13. Shayne Piront, St.Vith, 22 Jahre
  14. Uwe Köberich, Hergenrath, 43 Jahre
  15. Larissa Stoffels, Büllingen, 24 Jahre
  16. Frédérik Krickels, Kelmis, 40 Jahre
  17. Sylvia Kirschfink-Theves, Kelmis, 46 Jahre
  18. André Britz, Eupen, 36 Jahre
  19. Gerd Schumacher, Raeren, 68 Jahre
  20. Yvonne Christmann, Hauset, 50 Jahre
  21. Vanessa Scholl, Eupen, 34 Jahre
  22. Manuel Jodocy, Lommersweiler, 39 Jahre
  23. Isabelle Brüls-Schifflers, Lontzen, 36 Jahre
  24. Véronique Barth-Gentges, Hergenrath, 42 Jahre
  25. Yves Derwahl, Eupen, 39 Jahre

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