Eifeler Tierheilpraktiker steht vor Gericht

Prozess

Die Anklage gegen den Tierheilpraktiker bezieht sich auch auf Blutanalysen von Pferden, die bei einem Labor in Auftrag gegeben wurden. Illustrationsfoto: dpa

Seit Montag muss sich ein 39-Jähriger vor dem Eupener Strafgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, in der Eifel mehrere Jahre lang unerlaubt als Tierarzt praktiziert zu haben.

Von Cynthia Lemaire

Der Angeklagte ist ein in Deutschland ausgebildeter Tierheilpraktiker. Ein Beruf, den es in dieser Form in Belgien nicht gibt. Die Liste der Anklagepunkte ist lang. Ihm wird vorgeworfen, dass er zwischen 2010 und 2016 auf seinem Anwesen, auf dem er seine Pferde hielt, auch Pferde von Kunden behandelt habe. Außerdem soll er sich einer Kontrolle der Fasnk (Föderale Agentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette) widersetzt bzw. der Behörde falsche Auskünfte erteilt haben. Außerdem vermissten die Kontrolleure Ausweispapiere verschiedener Pferde, die bei ihm untergebracht waren. Er soll Arzneimittel aufbewahrt und Pferden verabreicht haben.

Zu jeder der Beschuldigungen bezog der Mann, der sich selbst verteidigte, Stellung. Nach seiner Ausbildung zum Tierheilpraktiker in Deutschland habe er in Belgien beim Unternehmensschalter in St.Vith die Gleichstellung seines Diploms eingeleitet und um die korrekte Bezeichnung für seinen Beruf im Französischen gebeten.

Der Angeklagte betonte, dass er sich nie als Tierarzt ausgegeben habe.

Bei der Übersetzung des in Belgien nicht geschützten Berufs sei der Begriff „vétérinaire naturopathe“ festgelegt worden. Er betonte, dass er nie als Tierarzt aufgetreten sei und sich nie als „Doktor“ betitelt habe. In der Kommunikation mit einem Labor für Blutanalysen sei er, in Ermangelung von Alternativen,  von dem Labor einem „Veterinär“ gleichgestellt worden. Es sei außerdem üblich und gesetzeskonform, dass man für Pferde, die zur Pflege anwesend seien, lediglich im Besitz von Kopien der Ausweispapiere sein müsse. Dies sei der Fall gewesen. Er habe leere Medikamentenverpackungen gesammelt, um die Beipackzettel zu studieren und Alternativen in der Naturheilkunde zu suchen. Für andere Arzneimittel könne er jeweils eine Rechnung oder Verschreibung durch einen Tierarzt vorlegen.

Zum Verhängnis werden könnten dem Angeklagten seine Notizbücher, die beschlagnahmt wurden, da dort viele Details zu den Behandlungen der Pferde aufgelistet sind, u.a. auch das Verabreichen von Arzneien. Die Staatsanwaltschaft zitierte aus diesen Notizen und kam zum Schluss, dass die Aussagen des Beschuldigten nicht glaubwürdig seien. Sie forderte gegen den Mann eine einjährige Haftstrafe auf Bewährung und eine Geldbuße.

Die Tierärztekammer fordert als Zivilpartei 3.000 Euro.

Als Zivilpartei tritt in diesem Fall die Tierärztekammer auf. Deren Rechtsanwältin unterstrich in ihren Ausführungen, dass jegliche Untersuchung, Diagnosestellung und Behandlung von Tieren per Gesetz ausschließlich Tierärzten vorbehalten sei. Aufgrund des moralischen Schadens forderte sie 3.000 Euro für die Tierärztekammer.

Der Angeklagte betonte schließlich, dass er nichts Schlimmes getan habe und forderte, freigesprochen zu werden.

Das Urteil wurde für den 8. April angekündigt.

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