PDS-Schüler helfen Neuankömmlingen bei der Integration

Projekt

Kartenspielen in der Mittagspause gehörte vor allem zu Beginn des Projektes zu den beliebten Aktivitäten der Paten und Patenschüler. | Foto: privat

„Céline und ihre Freundin haben mir so viel geholfen“, sagt Sara Al Madani. Bei diesem Satz fangen die Augen der schüchternen 19-Jährigen an zu leuchten. Zum ersten Mal während des Gesprächs lächelt sie.

Von Cynthia Lemaire

Sara Al Madani stammt aus Syrien. Ihre Familie flüchtete aus dem kriegsgebeutelten Land und kam vor zwei Jahren in Belgien an. Sara Al Madani besucht seit anderthalb Jahren die Pater-Damian-Sekundarschule (PDS) in Eupen. Sie ist Teil des Patenschaftsprojektes, bei dem hiesige Schüler Patenschaften für die Erstankömmlinge übernehmen, um ihnen bei der Integration in der Schule – und darüber hinaus – zu helfen. Das Projekt findet in diesem Schuljahr zum ersten Mal statt. Céline Richardy (16) ist die Patin von Sara Al Madani. „Als ich von dem Projekt erfahren habe, bin ich sofort darauf gesprungen“, lacht sie. „Wenn ich in der Situation der Erstankömmlinge wäre, wäre ich überglücklich über ein solches Angebot.“ Ausgedacht hat sich das Projekt Jana Schröder. Die Erzieherin ist an der PDS zuständig für die Erstankömmlinge. „Uns war aufgefallen, dass diese Schüler meistens unter sich blieben und den Klassenraum auch während der Pause selten verließen. Das wollten wir ändern. Die Paten sollen dazu beitragen, dass die Schüler schneller Anschluss finden, um ihre Integration zu erleichtern“, erzählt Jana Schröder. Ende letzten Schuljahres stellte sie ihr Vorhaben den Schülern des vierten Jahres vor, um sie ab September als Paten einsetzen zu können.

Ausgedacht hat sich das Projekt Erzieherin Jana Schröder.

„Die Teilnahme ist freiwillig. Jeder Interessierte konnte eine Bewerbung einreichen. Ende August haben wir mit Nathalie Peters von Info-Integration eine kleine Ausbildung abgehalten, um die künftigen Paten nicht ins kalte Wasser zu werfen“, erklärt Schröder. Themen der Ausbildung waren unter anderem Kommunikationsmodelle oder Traumata. Céline Richardy erinnert sich noch gut an den Workshop: „Wir haben Kennenlernspiele gemacht, bei denen wir keine Wörter benutzen durften. Das war gar nicht so einfach, hat uns aber geholfen, uns in die Lage von jemandem zu versetzen, der die Sprache nicht beherrscht.“ Seit September treffen sich die zwölf Paten jeden Montag in der Mittagspause mit ihren „Patenkindern“. Sie spielen gemeinsam Karten, gehen in die Mediothek oder raus in Stadt zum Mittagessen. Tipps, wo es die besten Gerichte zum besten Preis gibt, gibt es inklusive. „Dank Céline habe ich ein sehr leckeres Nudelgericht entdeckt“, muss Sara Al Madani schmunzeln. „Wenn wir in der Mensa essen, erkläre ich Sara zum Beispiel, ob ein Gericht Schweinefleisch enthält oder welches besonders zu empfehlen ist“, sagt Céline. Bei Bedarf hilft sie Sara Al Madani, die mittlerweile dem Unterricht im fünften Sekundarschuljahr folgt, bei den Hausaufgaben. Neben den festen Treffen steht es den Tandems natürlich frei, sich zu verabreden, wann immer ihnen danach ist. Meistens sind dann auch Freunde der Paten dabei, sodass die Erstankömmlinge sofort mehrere neue Leute kennenlernen. „Manche nehmen ihr Patenkind zum Beispiel mit zum Fußballtraining. Ohne Begleitung hätten viele Erstankömmlinge vielleicht nicht den Mut dazu“, weiß Jana Schröder.

Die Patenschaft ist für beide Seiten bereichernd. Während sie den Schülern mit Migrationshintergrund das Ankommen und Zurechtfinden in einer neuen Umgebung erleichtert, vergrößert sie auch den Horizont der Paten. „Ich lerne durch meine Freundschaft zu Sara und den anderen neue Blickwinkel kennen. Man lernt, auf kulturelle Unterschiede zu achten und diese zu respektieren. Insgesamt wird man feinfühliger“, so Céline Richardy. Die zuständige Lehrerin für die Erstankömmlinge hat schnell den Mehrwert des Patenschaftsprojektes festgestellt. „Sie merkt, dass die Schüler offener werden und sich positiv entwickeln“, berichtet Jana Schröder.

Neue Blickwinkel und kulturelle Unterschiede kennenlernen

Dass bei so einem Projekt nicht alles glatt laufen würde, war den Initiatoren und der Schulleitung zu Beginn klar. Deshalb sind regelmäßige Versammlungen vorgesehen, in denen mögliche Probleme angesprochen und gemeinsam gelöst werden können. Auch ein Ausflug für alle Paten und Patenschüler ist geplant sowie eine Teilnahmebescheinigung an dem Projekt. Céline Richardy und Sara Al Madani bezeichnen sich als Freundinnen. Ohne dieses Projekt hätten sie sich vielleicht nie kennengelernt. „Ich bin Céline wirklich dankbar“, sagt ihr Patenkind. „Sie hat mich schon zu Hause besucht und meine Familie kennengelernt.“

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