Die Höhepunkte des Karnevals gab es beim Laetarezug

Mittfasten

Bunt und wild: So feierte die Jugend am Sonntag in Herbesthal und Welkenraedt. | Foto: Klaus Schlupp

Am vierten Fastensonntag wird der müde Jeck noch einmal putzmunter und zieht das Kostüm wieder an. In Welkenraedt und Herbesthal versammelten sich die buntesten Wagen und prächtigsten Fußgruppen aus dem Norden der DG und den angrenzenden wallonischen Gemeinden, um noch einmal den Karneval hochleben zu lassen.

Von Klaus Schlupp

Nicht jeder verfügt über die Gabe der Bilokation und kann am Rosenmontag gleichzeitig in Eupen, Kelmis oder den wallonischen Randgemeinden sein. Oder doch? Er geht einfach ein paar Wochen später zum Laetarezug nach Herbesthal und Welkenraedt.

Denn da sind sie wieder, die „Zöllner“ aus Hombourg, die mit ihrer stimmungsvollen Straßenperformance schon den KeNeHeMo-Rosenmontagszug gerockt haben. Auch für die Prinzen ist der Mittfastenzug ein Genuss. Gerd II. (Ernst) und seine Page Melanie aus Eupen, Prinz Samule I. (Raxhon) mit seinen Pagen Caroline und Sonja aus Raeren, Marco I. (Reul) mit Laura und Sally, Prinzen aus Dolhain und Bleyberg und selbstverständlich der einheimische Gaëtan I. sorgten neben diversen Kinderprinzengespannen für ein Überangebot an närrischem Adel.

Auch am Straßenrand wurde eifrig getanzt.

Auch jede Menge Wagen, die der aufmerksame Karnevalist noch von diversen Rosenmontagszügen kennt, tauchen wieder auf. Der herrliche Drachenwagen aus Hergenrath war schon beim KeNeHeMo-Zug eine Augenweide. Prächtig auch die Kostüme der Fußgruppen aus der näheren Wallonie. Eine Gruppe Römer hat es mit der Mythologie nicht ganz so genau genommen und hat ein prächtiges (griechisches) Trojanisches Pferd auf den Wagen gesetzt. Prächtig gekleidete Japaner bzw. Chinesen tanzen in ihren Kimonos auf der Straße. Laetare im WeHeLo-Land ist wie eine gute Fernsehserie, aus der man die schönsten Szenen zu einem Spielfilm zusammengeschnitten hat.

Warum ziehen die Narren eigentlich noch einmal los, wo doch bekanntlich „am Aschermittwoch alles vorbei“ ist? Der Grund liegt wie immer in der Kirche. Aufmerksamen Messbesuchern wird es aufgefallen sein: Am vierten Fastensonntag ist das Gewand des Priesters und der Altarschmuck nicht mehr tiefviolett, sondern wird mit dem österlichen Weiß zu Rosa aufgehellt.

Der Pastor begrüßt die Gemeinde mit „Freut euch, Jerusalem!“. Die Fastenzeit geht ihrem Ende zu, und das Osterfest naht. Schon früh haben sich närrische Bräuche um Laetare entwickelt, organisierten Karneval gibt es seit dem 19. Jahrhundert.

Diese Hippie-Gruppe sorgte für die passenden Klänge.

In jedem Fall ist der Karnevalszug an Laetare etwas für jede Gruppe und jede Generation. An einer Ecke ist ein Stadtbus aufgestellt, in dem Bewohner eines Seniorenheimes Platz gefunden haben. Für die etwas mobileren älteren Herrschaften stehen draußen Stühle bereit, wo sie bei diesem tollen Frühlingssonnenschein den Zug richtig genießen können.

„Ich bin eigentlich aus Eupen, muss aber jetzt hier wohnen“, erzählt Angelo Pito. In Welkenraedt hat sich der Senior jedenfalls gut eingelebt. „Es ist schön, dass die hier alle Platt können“, sagt er. Doch auch die Senioren, die nicht mehr beweglich genug sind, haben direkten Kontakt mit den Karnevalisten. Die „Mexicopains“ aus Dolhain scheren einfach aus dem Zug aus und nehmen ihren Weg einfach durch den Bus, beim Fahrer hinein und hinten wieder hinaus. So muss es sein. Wenn einer aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Zug kann, muss der Zug eben zu ihm kommen.

Andere machen ihre eigene Nebenzugparty. Sascha Mobers hat hinten am Auto die Boxen montiert und lässt Karnevalsmusik laufen. Der ganze Familien- und Freundeskreis macht mit und die Senioren aus dem Heim lassen sich von der Stimmung mitreißen.

Da kommt auch schon der Wagen der kgl. landwirtschaftlichen Jugend aus Eynatten vorbei. Darauf sind Figuren mit riesigen Köpfen aufgebaut, die ein wenig an die Mainzer Schwellköppe erinnern.

Auch die Galmeiveilchen aus Kelmis mit ihren schicken Gulaschkanonen sind wieder da. Ein Dreikäsehoch aus der Truppe schnappt sich eine Riesenladung Konfetti und knallt sie einem harmlosen Fotografen mitten ins Gesicht. Da muss man eben durch. Ein Raerener Karnevalist bemerkt das Leid und gibt dem Geschundenen erst einmal ein Bier aus, Eupens Exprinz Andreas II. (Theves) läuft mit seinem Berger Block und schüttelt fleißig Hände. Fußgruppen legen beeindruckende Choreografien hin. In jedem Fall war der Zug gut besucht. Manche arbeiteten mit riesigen Tüten, um sich den Süßigkeitenvorrat bis Pfingsten zu sichern, andere wollten feiern und taten das noch bis in den Abend hinein in den Zelten auf der Place des Combattants.

Laetare-Umzug in Welkenraedt 2019

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