MR/PFF mit Jadin und Mauel für Kammer und Region

Wahlen

Die Kammerliste der Liberalen in der Provinz Lüttich: Die PFF-Vorsitzende Kattrin Jadin (Erste Reihe, Sechste von rechts) kandidiert erneut auf Platz zwei und steht damit vor einem Wiedereinzug ins föderale Parlament. | Foto: Sophie Kip/Sudpresse

Listenvorstellungsmarathon der Liberalen in der Provinz Lüttich: In den drei Wahlbezirken der Provinz stellen die MR, die „Reformbewegung“, und die „Partei für Freiheit und Fortschritt“, kurz PFF als Schwesterpartei, die rund 70 Kandidaten traditionell am gleichen Tag vor.

Von Oswald Schröder

Nach Lüttich am Samstagvormittag stand der Bezirk Verviers kurz vor Mittag auf dem Programm, im Nachmittag folgt mit Huy-Waremme die dritte Etappe. In Herve hatte Pierre-Yves Jeholet als Spitzenkandidat für das Regionalparlament ein Heimspiel.

In Verviers treten MR und PFF seit vielen Jahren gemeinsam als Schwesterparteien auf. Mit Erfolg: Immerhin stellen die Liberalen derzeit mit Kattrin Jadin die einzige ostbelgische Kammerabgeordnete auf föderaler Ebene und mit Jenny Baltus-Möres eine von zwei deutschsprachigen Abgeordneten im wallonischen Regionalparlament. Kattrin Jadin, die für die MR bereits seit beinahe 12 Jahren im föderalen Parlament einen Sitz hält, will auch nach dem 26. Mai erneut als einzige Deutschsprachige unter 150 Kammerabgeordneten ihre Arbeit fortsetzen. Es gebe noch viel zu tun, erklärt die 38-jährige Eupenerin gegenüber dem GrenzEcho. Zwar werde das manchmal übersehen, zwischen Parlament der DG und Regionalparlament. Jadin erinnert an ihren Einsatz unter anderem für das neue Justizgebäude, die Polizeizonen und in vielen anderen Bereichen. „Oder denken Sie nur an die Refinanzierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft“, fügt sie an. Sie nennt aber auch ganz konkrete Projekte wie die Notwendigkeit, das „Statut der Freiwilligen Feuerwehren“ oder „die Attraktivität des ländlichen Raumes zu verbessern“.

Auch für sie gilt der Leitspruch: ohne Moos nix los. „Wenn wir ein gutes Gesundheits –und Sozialwesen wollen, müssen wir auch die sozioökonomischen Stellschrauben richtig stellen und dessen Finanzierbarkeit sicherstellen“. Deshalb sind für sie die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes und die Durchführung notwendiger Reformen weiterhin wichtig: „Es kann keinen Wohlstand ohne erfolgreiche Wirtschaftspolitik geben“, so Kattrin Jadin. Mit wem immer sie spreche, sie erfahre auch in der DG, dass sich „jeder der Herausforderungen bewusst“ sei, dass man wisse, dass es „nicht mehr Mittel geben“ werde. „Deshalb ist es so wichtig, dass wir den Bürgern klar sagen, wohin die Reformen gehen müssen, damit wir auch den kommenden Generationen nicht nur Wohlstand und Sicherheit garantieren, sondern auch die freie Entfaltung eines jeden Einzelnen fördern können“, so Jadin.

Daniel Bacquelaine, der in der auslaufenden Legislaturperiode als Pensionsminister in der Föderalregierung für die MR saß, wird die Liberalen erneut als Spitzenkandidat in die Wahlen führen. Direkt hinter ihm kandidiert auf einem hervorragenden zweiten Listeplatz Kattrin Jadin. Bacquelaine lobt sie ausdrücklich für ihren Fleiß und ihr Engagement. Sie sei sehr gut bei der Bevölkerung akzeptiert und eine der einflussreichsten Lütticher Abgeordneten in den Reihen der MR. Jadin hat in der Kammer den Vorsitz der Kommission für Wirtschaftsrecht inne und tagt auch im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Pierre-Yves Jeholet, der die Regionalliste der MR/PFF im Wahlbezirk Verviers anführen wird, bezeichnet Kattrin Jadin „als das Bindeglied zwischen dem Inland und der Deutschsprachigen Gemeinschaft“. Auf der Kammerliste tritt, an elfter Stelle, mit André Blaise ein altgedienter Kommunalpolitiker aus Malmedy an.

„Freiheitliche und demokratische Werte“ gegen Populismus von links und rechts

Kattrin Jadin verteidigt die „positive Bilanz der Regierung Michel“, die viele Reformen und Maßnahmen zur Steigerung der Kaufkraft und zur steuerlichen Entlastung der Bürger sowie zur Schaffung von Arbeitsplätzen durchgeführt habe. Gegen den wachsenden Extremismus, den Jadin in der Wallonie auf der linken, und in Flandern auf der rechten Seite feststellt, will sie urliberale „freiheitliche und demokratische Werte“ setzen.

Ohnehin ist an diesem Tag der Listenvorstellungen in Herve viel vom Markenkern der Liberalen die Rede. Man will dem allgemeinen Einknicken und der Mutlosigkeit etwas Positives entgegensetzen. Und dabei kommen zuerst die liberalen Grundgedanken zum Tragen: So will man eine positive Kampagne führen, sie wird „ökologisch verantwortlich“ sein (man verzichtet auf die klassischen Wahlplakate) und sie werde „von einer eng zusammen wirkenden Mannschaft“ getragen. Auf die Frage, ob es denn zwischen MR und PFF keinen Dissens bezüglich der Kandidatur von Christine Mauel – sie wird den zweiten Platz auf der Regionalliste für den Bezirk Verviers einnehmen – gegeben habe, verneint Pierre-Yves Jeholet: „Ich verstehe die Frage nicht“, so der Vervierser Politiker. Man habe, im Gegenteil eng und in voller Transparenz mit der PFF zusammengearbeitet. Das Gleiche bestätigen Jadin und Mauel gegenüber dem GrenzEcho.

Von wegen Dissens: PFF und MR betonen „gleiche Wellenlänge“

Kattrin Jadin betont erneut und im Beisein von Christine Mauel, dass bei der PFF die Mitglieder das letzte Wort bei der Zusammenstellung der Listen hätten. Das habe man auch dieses Mal, auch in Bezug auf Christine Mauel und die Regionalliste, aber auch für die DG-Liste so gehandhabt. „Wir hatten bei der PFF eine einzige Gegenstimme bei 80 oder 90 anwesenden Mitgliedern“, tritt Jadin Gerüchten entgegen, die in den letzten Tagen aufkamen. „Jeder hatte die Möglichkeit, sich zu äußern, und das ist auch geschehen“, so Jadin. Natürlich stimme man dann die gemeinsamen Listen mit der MR ab. Das sei am Samstag geschehen. Jetzt gehe es darum, die Wähler für das liberale Projekt zu begeistern.

Christine Mauel sieht eine „realistische Chance“, in das wallonische Regionalparlament einzuziehen. „Ich denke aber nicht, dass es eine gemachte Sache ist“. Kattrin Jadin habe es vor zwei Perioden auf dem gleichen Listenplatz nicht ins wallonische Parlament geschafft. Allerdings habe „Pierre-Yves Jeholet als Wirtschaftsminister hervorragende Arbeit in den letzten Monaten und Jahren geleistet“. Sie habe sich immer für das Thema Ökologie eingesetzt, wisse aber, dass sie ein „arbeitender Mensch sei, der aus einer arbeitenden Familie“ komme, und deshalb sei ihr bewusst, dass man „Träume und Wünsche nur realisieren kann, wenn man die notwendige Basis dafür schafft.“ Sie will sich für eine nachhaltige Wirtschaft einsetzen. Auf der Regionalliste tritt ebenfalls, als vierte Ersatzkandidatin, Tina Freches aus St.Vith/Recht an.

Christine Mauel bedauert, dass Ecolo ihren Rücktrittswunsch lange geheim hielt

Auf die Diskussion um ihre Person angesprochen, betont Christine Mauel, dass sie „die ganze Diskussion reinen Gewissens erlebe“ und das gebe ihr auch die Kraft, weiterzumachen. Sie „verstehe aber auch die Leute, denn das, was kommuniziert wird, ist nicht das, was ich erlebt habe.“ Der Wille sich politisch zu engagieren sei immer noch sehr stark. „Deshalb habe ich auch nicht nach dem Aus mit Ecolo aufgehört mit der Politik.“ Sie wiederholt, dass man ihr nicht alles gesagt habe, was sie habe wissen müssen, als man sie an vorderster Stelle auf die Ecolo-Liste setzte und vor allem habe man ihre Entscheidung, doch nicht für Ecolo antreten zu wollen, wochenlang nicht nach außen kommuniziert. Denn ihre Entscheidung, nicht für die Grünen anzutreten, sie nur wenige Tage nach der Bekanntgabe ihrer Kandidatur erfolgt. Es gibt also noch einiges aufzuarbeiten.

Zurück zu MR/PFF: Programmatisch werden sich die Liberalen für Innovation, Wachstum und Lebensqualität, für die Aufwertung der Arbeit und der produzierenden Bevölkerung einsetzen, ob Betriebe oder Arbeitnehmer, man will „streng und gerecht“ in Sachen Einwanderung und Integration sein, die notwendigen Reformen durchführen, um ein soziales Netz aufzubauen, das finanziell langfristig lebensfähig sein müsse, so Daniel Bacquelaine. Dem Klimawandel will man mit „konkreten, finanzierbaren Maßnahmen“ begegnen, die Sicherheit des Bürgers verstärken und sich mit „liberalen Werten der Freiheit, Verantwortung und Solidarität“ gegen den aufkommenden Populismus stemmen. Deswegen werde man auch mit konkreten Vorschlägen punkten und eine „Sprache der Wahrheit“ führen.

Pierre-Yves Jeholet betont ausdrücklich gegenüber dem GrenzEcho, dass die Liberalen nicht der Partner seien, den sich die anderen Parteien gerne an die Seite nehmen: „Die Liberalen kommen in die Regierung, wenn sie vom Wähler derart bestätigt wurden, dass sie unumgänglich sind.“ Deshalb müsse man den Wähler von der liberalen Alternative überzeugen, die insbesondere in der Wallonie gebraucht werde: „Wir werden den Wiederaufstieg der Wallonie nicht in einer ökonomischen Wüstenlandschaft erfolgreich gestalten können“. Es könne nur verteilt werden, was auch erwirtschaftet worden sei, erteilt er der „Mentalität der Umverteilung“ eine Absage. „Wenn es weniger wirtschaftlichen Erfolg gibt, wird es zwangsläufig weniger Sozialpolitik, weniger ökologische Projekte und auch weniger Solidarität geben“, beschreibt er die liberale Denkweise. Bei den Liberalen gibt man sich jedenfalls zuversichtlich, auch wenn die Umfragewerte ein etwas weniger positives Bild zeichnen.

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