Ostbelgiens Wohnpark energetisch schwach

Wohnungsbau:

Auch ostbelgische Betriebe wie HP Linden bieten energieoptimierte Häuser an. | Foto: GE

Es ist kein Geheimnis, dass das Heizen von Wohnungen und Häusern sehr energieintensiv ist. Heizöl und Gas sind die häufigsten Energiequellen. Jetzt hat eine parlamentarische Anfrage von Edmund Stoffels (SP) interessantes Zahlenmaterial für die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG) ans Licht gebracht. Und das zeichnet kein gutes Bild.

Von Oswald Schröder

Edmund Stoffels wollte von der zuständigen wallonischen Ministerin de Bue wissen, ob es verlässliches Zahlenmaterial über die Energieeffizienz wallonischer Wohnungen und Häuser bestellt ist. Das Ergebnis ist umfangreich, aber gleichzeitig ernüchternd: Auch in Ostbelgien sind lediglich knapp 12% aller Häuser und Wohnungen so gut wärmegedämmt, dass sie das Label A oder B verdienen. Hingegen fallen mehr als 19% in die schlechteste, die G-Kategorie.

Nimmt man die drei schlechtesten Kategorien zusammen, kommt man auf fast 40% aller Häuser und Wohnungen.

Ab 1. Januar 2020 wird die Deutschsprachige Gemeinschaft für den ostbelgischen Wohnpark zuständig sein. Dann nämlich, so Stoffels, wird die DG die Zuständigkeit für den Wohnungsbau, die Raumordnung und die damit verbundenen Energieaspekte von der Wallonischen Region (WR) übernehmen. Beide Parlamente starten in diesen Tagen und Wochen in die Diskussion der entsprechenden Übertragungsdekrete. Vor den Wahlen am 26. Mai soll die Kompetenzübertragung in trockenen Tüchern sein.

Stoffels erinnert auch daran, dass mit der Übertragung der Zuständigkeit ein Betrag von 800.000 EUR an die DG übertragen wird. Legte man die statistisch ermittelten Kosten einer Gebäudesanierung von rund 15.000 bis 16.000 EUR zugrunde und ginge man davon aus, dass die DG davon 50% der Kosten übernehmen würde, könnten mit dem übertragenen Betrag jährlich gerade einmal 100 Häuser oder Wohnungen saniert werden.

Diese Zahl ist ernüchternd, wenn man davon ausgeht, dass die Erhebungen der Wallonischen Region, auf die sich Ministerin De Bue stützt, die Energiezertifikate von ziemlich genau 30% aller Wohnungen und Wohngebäude der Wallonie erfasst hat. Es wurden knapp 500.000 Einheiten analysiert, insgesamt gibt es in der Wallonie einen Park von 1.615.774 Wohneinheiten.

Auf Ostbelgien heruntergebrochen, wurden die Energiezertifikate von etwas mehr als 7.000 Wohnungen in die Studie eingegeben. Es gibt also in Ostbelgien rund 23.000 Wohneinheiten. Bis zum Jahr 2030, wenn die erste Hürde auf dem Weg zu einer CO2-freien Welt genommen werden soll, könnten also mit dem verfügbaren Geld knapp 1.000 Wohneinheiten energetisch saniert werden. Man bräuchte also bis weit in die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts, um die Ertüchtigung des ostbelgischen Wohnparks umzusetzen. Vorausgesetzt, die DG setzt nur das von der WR übertragene Geld ein und verteilt es nach vergleichbaren Kriterien.

Schaut man sich die Zahlen im Einzelnen an, sieht man, dass es im Großen und Ganzen wenig Unterschiede zwischen den verschiedenen ostbelgischen Gemeinden gibt. Bei den sehr gut bis gut (A++, A+, A und B) isolierten Wohnungen und Häusern steht das Eupener Land etwas besser da als die Eifelgemeinden. Während in Eupen und Umgebung rund 12% in diese beiden Kategorien fallen, sind es im Süden der DG 9,63%. Auch im mittleren Bereich (C und D) gibt es im Norden der DG rund 40% aller Wohnungen und Häuser, in den Eifelgemeinden sind es knapp 16%. Folglich entfallen in der Eifel knapp 47% aller Wohneinheiten in die schlechtesten Kategorien (E, F und G). Im Eupener Land sind es knapp 39%.

Vergleicht man die ostbelgischen Zahlen mit der Gesamtsituation in der Wallonie oder mit einzelnen Provinzen, so steht unser Gebiet zwar besser da, aber keinen Grund, „enthusiastisch zu sein“, wie es Stoffels formuliert. Am ehesten ist Ostbelgien mit Wallonisch-Brabant vergleichbar, wo die Ergebnisse sich fast 1:1 mit den ostbelgischen decken.

Ein Blick in die Randgemeinden der DG zeigt ein sehr uneinheitliches Bild. Während Welkenraedt insgesamt sogar besser als die DG abschneidet, ist Vielsalm ungefähr auf dem Niveau der Gesamtwallonie. Malmedy und Weismes sind sehr vergleichbar und liegen in den drei Schlusskategorien rund 5% schlechter als die DG-Gemeinden, bei den Topkategorien A und B hingegen sind die Ergebnisse auf gleicher Höhe. In manchen Gemeinden der Wallonie ist die Situation fast hoffnungslos. So fällt in Trois-Ponts fast jede dritte Wohneinheit in die schlechteste Kategorie, in Gemeinden wie Brunehaut, Rendeux oder Rumes gar jede zweite.

Trotzdem bleibt auch in der DG noch einiges an „Kopfzerbrechen“, wenn „die Klimaziele von 2030 ernst genommen werden sollen“, so Stoffels.

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