Zu Besuch bei Maik Göbbels: Es weht eine steife Brise

2. Bundesliga

Maik Göbbels wagte im vergangenen Sommer ein neues Abenteuer. | Foto: David Hagemann

Seit einigen Monaten befindet sich Maik Göbbels mittendrin im deutschen Profifußball. Beim Zweitligisten Hamburger SV spielt der 42-jährige Eupener als Co-Trainer eine wichtige Rolle. Dabei weht in der Hansestadt nicht nur rund um den Hafen ein starker Wind. Ein Besuch bei jemandem, der genau weiß, dass er unter einer Käseglocke lebt.

Aus Hamburg berichtet Mario Vondegracht

Wenn Maik Göbbels heute Mittag vor über 50.000 Menschen auf den Rasen des Volksparkstadions tritt, steht für den Hamburger SV das wichtige Heimspiel gegen Darmstadt 98 an. Den Gegner hat der Eupener mit dem Trainerstab unter Chefcoach Hannes Wolf in dieser Woche stundenlang bis ins kleinste Detail analysiert. Beim HSV ordnet man dem Ziel Wiederaufstieg alles unter. Der beeindruckende 4:0-Sieg beim Stadtrivalen St. Pauli am Sonntag? Der ist nur noch für die Fans bedeutsam.

Maik Göbbels ist endgültig in der Hansestadt angekommen. | Foto: David Hagemann

Szenenwechsel. In Hamburg herrscht am vergangenen Dienstagabend eine steife Brise. Der Wind bläst. In Eimsbüttel sitzt Maik Göbbels in einem Café. Rund 100 Meter entfernt befindet sich das derzeitige Zuhause des Eupeners. Bald steht ein Umzug in ein größeres Appartement an, damit der Familienvater mit seiner Frau und den zwei kleinen Kindern, die zwischen Hansestadt und der Borner Heimat pendeln, etwas mehr Platz haben. Die Presse aus Eupen ist da. Göbbels nimmt sich viel Zeit für den Besuch. „Ich habe mich sehr gut in Hamburg eingelebt. Jeder weiß, wie schön diese Stadt ist“, sagt der 42-Jährige: „Allerdings bin ich hier nicht zum Urlaub machen, sondern zum Arbeiten.“

Maik Göbbels: „Es gibt mindestens genau so viele Leute, die dich fallen sehen wollen. Da müssen wir uns nichts vormachen.“

Der Ostbelgier hat nun fast ein ganzes Jahr in Hamburg verbracht und kennt sich mittlerweile immer besser in der Stadt aus, die er zuvor bereits mehrere Male als Tourist aufgesucht hatte. Er fand Stammrestaurants und fühlt sich nach eigenen Aussagen „immer wohler“. Auch, weil die Familie immer öfter zu Besuch sei, erklärt der Eupener, der Anfang Juli 2018 den riesigen Karriereschritt wagte und als neuer Co-Trainer des HSV die rechte Hand von Ex-Trainer Christian Titz wurde. Mit dem mittlerweile geschassten Coach, dem ein zwischenzeitlich fünfter Tabellenplatz zum Verhängnis wurde, hat Göbbels immer noch Kontakt. „Wir treffen uns nicht jede Woche, aber wir waren ein paar Mal essen. Es ging um die Aufarbeitung der intensiven gemeinsamen Zeit und auch darum, was die Zukunft bringen könnte. Dabei handelte es sich, wie immer im Fußball, um viele Konjunktive.“ Und es kam – wie immer im Fußball – ganz anders.

Nachdem Maik Göbbels im vergangenen Sommer ein Arbeitspapier für die Dauer eines Jahres unterschrieben hatte, wurde sein Vertrag kürzlich angepasst. Sein Engagement beim HSV verlängerte sich um weitere drei Jahre bis zum Sommer 2022. „Dass ich jetzt das Angebot des HSV angenommen habe, dafür hat Christian Verständnis“, sagt Göbbels. Das Ziel des aktuellen Zweitligisten ist klar: Unabhängig davon, wer die Mannschaft als Cheftrainer begleitet, will er längerfristig mit dem ehemaligen Personal Coach mit Studio in St.Vith zusammenarbeiten. „Wir möchten unabhängig von der Position des Cheftrainers einen festen Co-Trainer im Verein installieren. In unseren Augen ist es wichtig, hier eine richtige Konstante im Trainerteam zu haben. Wir sind der Überzeugung, dass Maik diese Position gut ausfüllen wird“, erklärte HSV-Sportvorstand Ralf Becker diesen Schritt. Als Familienvater optierte Maik Göbbels für mehr Planungssicherheit. Außerdem lag nichts Adäquates auf dem Tisch: „Ich war allerdings im ersten Moment baff. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.“

Die Zusammenarbeit mit Hannes Wolf (rechts) funktioniert laut Maik Göbbels (links) sehr gut und macht richtig Spaß. | Foto: imago

Der Vertrauensbeweis seines Arbeitgebers macht den erfolgreichen Ostbelgier aber keineswegs stolz. „Stolz ist ein großes Wort. Ich habe einen coolen Job, aber nicht einen, auf den man stolz sein sollte. Das verbinde ich jedenfalls nicht mit meiner täglichen Arbeit hier. Vielleicht kommt das Gefühl, wenn ich einmal weg sein sollte und die Sache aus einer anderen Perspektive sehe“, erklärt der ehemalige Regionalfußballer (unter anderem AS Eupen und Union Kelmis) und nippt in der Bar an einem Tee: „Da wir heute unseren freien Tag hatten, war ich heute Vormittag mit meiner Familie in einem Tierpark. Dort sah ich, wie Ehrenamtliche – ich glaube, es war das Rote Kreuz – mit Personen mit einer schweren Beeinträchtigung einen Ausflug machten. Auf die müsste man eigentlich stolz sein.“

Dass ein Verein drei Jahre lang mit einem Co-Trainer zusammenarbeiten möchte, ist insofern recht ungewöhnlich, weil es beim HSV nicht davon abhängen soll, wer Cheftrainer ist. „Es liegt vielleicht daran, dass die Kontinuität eine wichtige Rolle spielt. Der Übergang von Christian Titz zum neuen Trainer Hannes Wolf hat sehr gut funktioniert. Die Stabilität blieb erhalten“, erklärt Göbbels. Und es leuchtet ein: Neue Besen kehren bekanntlich gut, aber auf der anderen Seite gibt es immer wieder eine Eingewöhnungsphase für Mannschaft und Coach, die Zeit braucht. Und die hat der HSV nicht zu verschenken. „Wir konnten nahtlos weiterarbeiten“, so Göbbels: „Und mit Christian war beim HSV sicherlich nicht alles schlecht. Im Gegenteil.“ Die Arbeit mit Hannes Wolf ist eine andere als unter Titz. „Hannes ist ein Typ, der viel auf die Intuition der Spieler setzt.“ Die Zusammenarbeit mit ihm funktioniere sehr gut und mache richtig Spaß, erzählt Göbbels weiter: „Seine Art zu trainieren, zu kommunizieren und den Fußball zu sehen, kommt mir sehr entgegen.“

Egal, ob du in der 2. Bundesliga oder in der 2. Provinzklasse spielst: Die Tugenden im Fußball müssen immer da sein.

Maik Göbbels

Die Komplimente kann sein Chef nur zurückgeben. „Er ist sehr reflektiert, hat eine sehr positive Haltung zum Leben und ist sehr interessiert. Er bildet sich ständig fort und bringt so sehr viel Wissen mit – sowohl über Fußball als auch über andere wichtige Themen. Wenn du alleine nach Hamburg kommst, brauchst du natürlich das Glück, dass du gute Mitarbeiter hast. Das hatte ich mit Maik“, erklärt Wolf, dessen Fußball laut Göbbels mehr über die Einstellung der Spieler kommen soll. „Egal, ob du in der 2. Bundesliga oder in der 2. Provinzklasse spielst: Die Tugenden im Fußball müssen immer da sein. Das hat man am Wochenende auf St.Pauli gesehen. Wir haben nicht besser Fußball gespielt, aber wir haben alles an den Tag gelegt, was jeder von Kind auf schon kann: Laufbereitschaft, 100-prozentiger Einsatz, sprinten und nicht joggen, den Ball im Gegenpressing direkt haben wollen.“ Natürlich müssten die Spieler taktisch in den richtigen Räumen stehen, das trainiere man beim HSV auch alles. „Aber die Tugenden sind die Basis.“

Als Maik Göbbels nach Hamburg gekommen ist, musste er zuerst jedem erklären, warum er Deutsch spricht. Das kennen die Ostbelgier in der Welt zu genüge. „Trotz aller Bemühungen unserer Regierung ist es so, dass fast keiner das weiß. Auch wenn Oliver Paasch, der schon mehrmals hier war, das jetzt nicht gerne hört“, lacht Göbbels, der mit dem DG-Regierungschef eng befreundet ist: „Alleine durch die Tatsache sind wir etwas offener und haben es leichter, auf Menschen zuzugehen.“ Von der Persönlichkeit her sei der Ostbelgier eben jemand, der sich anpasse. Und es könnte durchaus sein, dass Göbbels diese Eigenschaft bei seinem Hamburger Abenteuer geholfen hat. Das Glück spiele aber auch eine wichtige Rolle dabei, denn menschlich musste es zwischen Wolf und Göbbels und den anderen Entscheidungsträgern passen. „Sie hätten mir auch jemanden dahin setzen können, bei dem ich gedacht hätte: um Gottes Willen. Dann hätte ich es auch nicht gemacht“, so der Eupener.

Szenenwechsel. Millerntor, St. Pauli, Sonntagnachmittag. Die Fußballer des Hamburger Sportvereins befinden sich nach dem Spiel in der Gästekabine. Gerade haben sie mit 4:0 das Stadtderby gewonnen und damit die St.Paulianer, aktuell mit sieben Punkten Rückstand auf Platz vier, und deren heißblütige Fans fürs Erste zum Schweigen verdammt. Auf einem Video ist später zu erkennen, wie die Mannschaft ihren Torjäger vom Dienst, Doppeltorschütze Pierre-Michel Lasogga, hochleben lässt. Im Hintergrund: Maik Göbbels, der lauthals mitsingt.

 

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Göbbels wird vor allem den Empfang der gegnerischen Fans in Erinnerung behalten. „Sie bewarfen uns mit Bierflaschen, Farbe und Eiern und beschimpften uns aufs Übelste. Da schlug einem richtiger Hass entgegen. Ich bin alleine zum Aufbauen raus auf den Rasen. Da kriegst du schon verbal auf die Fresse. Ich persönlich fand das richtig geil. Und ich glaube unsere Spieler auch“, erinnert sich der Eupener, der das Abenteuer Hamburger SV vor einem Jahr nicht zu träumen gewagt hätte. „Da war ich in St.Vith selbstständig und ebenfalls glücklich“, so der 42-Jährige: „Mir ist bewusst, dass ich einen tollen Beruf ausüben darf. Dieser bringt aber gleichzeitig auch einen hohen sozialen Verzicht mit sich.“ Vier freie Wochenenden im Jahr sind recht wenig, inklusive Weihnachten. Viele würden bestimmt denken: „Wow, sein Leben ist wohl cool.“ Aber Göbbels fehlt momentan die Zeit, das zu reflektieren: „Wahrscheinlich, weil ich mittendrin bin. Ich lebe unter der Käseglocke. Wenn ich irgendwann einmal zurückblicke und den HSV im Fernsehen spielen sehe, dann denke ich vielleicht: ‚Wow, davon warst du auch mal ein Teil.‘ Jetzt ist das aber nicht so.“

Der Sprung von St.Vith nach Hamburg war ein sehr großer. Dessen ist sich Maik Göbbels bewusst. Er selber hatte nicht mehr damit gerechnet, auf diesem Niveau coachen zu dürfen. „Ein großer Sprung kostet viel Energie, und die Fallhöhe ist höher. Man hat ja nicht nur Freunde und Menschen, die einem das gönnen, sondern mindestens genau so viele Leute, die dich fallen sehen wollen. Da müssen wir uns nichts vormachen. Mit der Vertragsverlängerung habe ich gemerkt, dass die Akzeptanz nunmehr viel höher ist. Vor allem von denen, die vorher gesagt haben: ‚Och, der ist doch nur da, weil er irgendwen kennt.‘ Und so habe ich mehr Resonanz bekommen nach der Vertragsverlängerung als bei der Verpflichtung selbst.“

Für den Familienmenschen Maik Göbbels ist es nicht leicht, so weit von zu Hause entfernt zu arbeiten. „Ich bin wirklich super stolz auf meine Frau, die mich so toll unterstützt. Da die Kinder noch nicht schulpflichtig sind, versuchen wir, dass wir uns momentan so oft sehen wie möglich“, sagt Göbbels. Entweder reist die Familie in die Hansestadt oder der Ostbelgier fliegt in die Heimat. Seine Frau Anuschka Haep hat noch kein Heimspiel verpasst. „Es passiert aber auch, dass ich drei Wochen lang gar nicht frei habe“, zählt Göbbels einen negativen Aspekt seiner Arbeit auf. Neue Freundschaften aufzubauen, sei dabei nicht einfach. Der Ostbelgier freut sich umso mehr, wenn Besuch aus der Heimat vorbeischaut. „Eigentlich ist bei jedem Heimspiel jemand da“, so Göbbels. Gegen Darmstadt heute haben sich Bekannte aus Bütgenbach angekündigt. „Der Wahnsinn sind ja auch die HSV-Fans Ostbelgien. Der Fanklub ist unwahrscheinlich groß und hat über 300 Mitglieder. Da ist praktisch bei jedem Spiel jemand im Stadion. Und dass ausgerechnet ein Ostbelgier Co-Trainer ihres Klubs sein darf, ist schon sehr kurios.“

Maik Göbbels hatte bis zum Besuch des GrenzEcho nicht einmal die Zeit, durch den altehrwürdigen alten Elbtunnel zu schreiten. Ein Wahrzeichen der Hansestadt Hamburg, wo der Eupener als HSV-Co-Trainer arbeitet. | Foto: David Hagemann

Göbbels hilft das ein wenig, den „permanenten Druck“ zu verarbeiten: „Du kannst nie loslassen. Du gewinnst 4:0 gegen St.Pauli und beschäftigst dich unmittelbar danach mit Darmstadt. Das ist bei den Spielern noch extremer. Manche sind mit aus der 1. Bundesliga abgestiegen und mussten keine drei Wochen später wieder auf dem HSV-Gelände zum Training erscheinen. Viele sagen: ‚Tja, das sind Fußballer. Dafür bekommen sie viel Geld.‘ Das stimmt. Aber auch sie müssen irgendwann Luft holen. Und was die Jungs in jungen Jahren schon leisten müssen, sollte man nicht unterschätzen.“ Göbbels nutzt dieses Wissen, um einen besseren Zugang zu den Spielern zu bekommen. Denn das mentale Coaching gehört zu seinen Aufgabenfeldern. Es war ein Grund, warum Christian Titz Maik Göbbels damals zum HSV gelotst hat. Und auch der aktuelle HSV-Trainer weiß um die Qualitäten seines Mitarbeiters. „Vom ersten Tag an war die Zusammenarbeit mit Maik sehr positiv. Er ist für mich ein ganz wichtiger Mitarbeiter, sowohl fußballinhaltlich als auch auf vielen anderen Ebenen. Ich denke da zum Beispiel an die Atmosphäre im Team, die Ernährung und das ganze Leben drumherum.“

Wie intensiv das Fußballgeschäft auch sein mag, für Freundschaften mit Spielern bleibt kaum Platz: „Aufgrund meiner Funktion muss ich so objektiv wie möglich bleiben. Vor dem Hintergrund, dass ich jahrelang als Personal Trainer gearbeitet habe, beschäftige ich mich mit manchen Spielern, die Probleme haben, intensiver. Dadurch baut sich eine andere Ebene auf. Aber auf der anderen Seite muss ich auch harte Entscheidungen treffen.“ Und die nagen natürlich an jungen Spielern. Deswegen ist der Besitzer einer A-Trainerlizenz auch der festen Überzeugung, dass mentales Coaching bei der Trainerausbildung verpflichtend sein sollte. „Das ist die Zukunft. Junge Spieler brauchen Begleitung“, lautet sein Motto: „Denn was die Jungs mental in so einem Alter aushalten müssen, ist schon krass.“ Göbbels denkt da nicht nur an den mentalen Aspekt, sondern auch an Ernährungsberatung, Stressbewältigung, Zielsetzungsgespräche usw. Manche Vereine würden das mit einem eigenen Psychologen auffingen, aber Göbbels, der seine Ausbildungen in diesem Bereich schon konkret beim HSV anwenden musste, denkt: „Das empfinde ich als schwierig, denn traust du dich jemandem an, den du vielleicht jede Woche einmal kurz siehst?“ Der engste Kreis sitze im Mannschaftsbus. Das seien beim HSV die zwei Physiotherapeuten, ein Arzt, der Teammanager und das Trainerteam, das aus dem Cheftrainer, zwei Co-Trainern, dem Torwart- sowie Athletiktrainer besteht. Und aus diesem Kreis müsse die Unterstützung kommen, ist sich der Eupener sicher. Vor allem bei so einem jungen Kader wie bei den Rothosen, der ein Durchschnittsalter von 23 Jahren aufweist.

GE-Redakteur Mario Vondegracht im Gespräch mit Maik Göbbels | Foto: David Hagemann

Die Mannschaft besteht allerdings auch aus erfahrenen Spielern wie dem Ex-Aachener Lewis Holtby, Kapitän Aaron Hunt oder Torjäger Lasogga. Auch der Umgang mit solchen Kräften ist nicht einfach. „Die Akzeptanz baut sich mit der Zeit auf. Das macht man nicht in einem Gespräch. Beim zweiten Spiel in Sandhausen habe ich nach der 0:3-Niederlage die Mannschaftsansprache gemacht. Da war ich schon nervös. Aber es hat funktioniert“, erinnert sich Göbbels und weiß um das „eiskalte Profigeschäft“. Das dürfe man nicht zu nah an sich heranlassen. Es gehe darum, Selbstvertrauen auszustrahlen. „Es muss Klarheit herrschen. Wenn du das vom Typ her nicht kannst, bekommst du Probleme. Da man muss auch einmal unpopuläre Entscheidungen treffen. Das ist Leistungssport. Alle sind austauschbar. Es geht nur um eines: das Ziel des Vereins.“ Deswegen müsse immer die beste Elf auf dem Platz stehen, die den maximalen Erfolg verspricht. Da könne es auch sein, dass Spieler manchmal ein paar Tage nicht mit einem reden. Göbbels weiß, dass die die Atmosphäre in der Kabine einer Profifußball-Mannschaft sehr wichtig ist. „Verlierst du, wird es unruhig. Wenn du gewinnst, ist alles super. So läuft es im Fußball. Die Kabine ist etwas ganz Spezielles, ein sehr sensibler Bereich. Fußball ist ein Teamsport, dennoch muss jeder Spieler auch an sich selber und seine eigene Zukunft denken. Es ist viel Geld im Spiel. Unser Job ist es, daraus etwas zu erschaffen.“

„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, zitierte Göbbels den griechischen Gelehrten Aristoteles bei seiner ersten Vertragsunterzeichnung vor einem Jahr. Wer erfolgreich Fußball spielen will, muss eben nicht nur viele Puzzleteile richtig zusammenfügen. Es gehört vielmehr dazu. Übersetzt: Mit dem HSV den direkten Wiederaufstieg zu schaffen, das wäre schon eine achtbare Leistung. Mit diesem Gedanken beschäftigt sich auch Maik Göbbels: „Eine Aufstiegsparty hat es noch nie gegeben, da der HSV noch nie abgestiegen war. Das wäre schon etwas ganz Besonderes. Aber wir wissen auch, dass dafür vor uns noch ein extrem schwerer und steiniger Weg liegt.“

Relegation? „Das muss nicht unbedingt sein. Das wäre an Dramaturgie nicht zu überbieten.“

Dass der HSV am Saisonende noch auf Platz drei und damit den Relegationsplatz belegen könnte, davon geht Maik Göbbels nicht aus: „Das muss nicht unbedingt sein. Das wäre an Dramaturgie nicht zu überbieten.“ Und wenn es gegen Schalke käme? „Dann ist das eben so. Dann müssen wir das annehmen. Unser Ziel ist aber, einer der beiden Direktaufsteigerplätze zu bekommen. Im besten Fall die Meisterschaft“, so Göbbels. Das Spiel beim Tabellenersten 1. FC Köln (Hinspiel: 1:0-Sieg) Mitte April wird in dieser Frage wohl entscheidend sein. Göbbels: „Das wird ein ganz geiles Spiel, darauf freue ich mich. Wir müssen aber auch auf Union Berlin aufpassen. Wir dürfen uns keine Ausrutscher erlauben.“ Damit das nicht passiert, dafür ist auch er verantwortlich. Es weht eine steife Brise.

Das streng getaktete Leben von Maik Göbbels in Hamburg

Der Alltag in Hamburg ist für Maik Göbbels mit einem strengen Plan verbunden. „Zeit bleibt da nicht viel übrig“, sagt der Familienvater aus Eupen. Spätestens zwei Stunden vor dem Trainingsstart sitzt der 42-Jährige mit dem zweiten Co-Trainer André Kilian und Cheftrainer Hannes Wolf zusammen, um zu besprechen, welche Inhalte des Trainings in welcher Intensität und Ausführung an diesem Tag im Vordergrund stehen sollen.

„Das ist die Basis“, so Göbbels: „Dann kommt das Team aus Ärzten, Physiotherapeuten und Osteopathen hinzu und gibt den Ist-Zustand der Mannschaft und seine Einschätzungen durch.“ Anschließend folgt die Feinjustierung des Trainings (Göbbels: „Müssen wir vielleicht welche aus der U21 mitnehmen, weil wir weniger Spieler zur Verfügung haben?“), ehe vielleicht noch etwas Zeit bleibt, um in Absprache mit den Videoanalysten zu ermitteln, welche Szenen man später der Mannschaft zeige.

Erst dann geht es auf den Trainingsplatz. Die Uhrzeit hängt aufgrund des Biorhythmus der Spieler immer von der Anstoßzeit des nächsten Spiels ab. Göbbels konzentriert sich dann auf die Begleitung des Trainings und den Aufbau. Wer macht welche Übung mit welchen Schwerpunkten? Nach dem Schwitzen ist das Prozedere ähnlich. Einzelne Übungen werden analysiert, denn vor allem die taktischen Trainingseinheiten werden auf Video aufgezeichnet. Im Anschluss folgt die manchmal stundenlange Analyse des Gegners.
„So laufen meine Arbeitstage für gewöhnlich ab“, erklärt Göbbels, der mit der Mannschaft immer einen Tag vor dem Auswärtsspiel anreist oder bei einem Heimspiel in ein bewährtes Hamburger Hotel zieht. Wenn die Familie nicht da ist, treibt der Eupener nach getaner Arbeit selbst fast jeden Tag noch Sport. „Dann gehe ich in den vereinseigenen Fitnessraum oder laufe durch den Volkspark.“ Am Abend liest er an den Wintertagen nach wie vor sehr gerne. Wenn der Frühling und der Sommer komme, sehe das bestimmt anders aus. „Da kann Hamburg eine ganz andere Lebensqualität vorweisen“, freut sich Göbbels auf wärmere Temperaturen. Dann kann man sich lebhaft vorstellen, wie der Eupener auf einer Terrasse an der Innen- oder Außenalster oder in einer Strandbar an der Elbe sitzt. „Dann habe ich ja auch Urlaub“, lacht der Eupener. Und vielleicht ist er mit dem HSV dann auch aufgestiegen.

Maik Göbbels hatte bislang wenig Zeit, um Hamburg wirklich zu erkunden. | Foto: David Hagemann

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