Raerener Laienbühne feiert Premiere mit „Hömmelzackerlement, wat e Jlöck“

Theater

Die Raerener Laienbühne bietet dem Publikum einen höchst vergnüglichen Theaterabend. | Foto: Klaus Schlupp

Sauber inszeniert mit hervorragender Leistung aller Akteure und einem begeisterten Publikum feierte am Samstag „Hömmelzackerlement, wat e Jlöck“ der Raerener Laienbühne ihre diesjährige Premiere.

Von Klaus Schlupp

„Das ist viel besser, als vor der Glotze zu hängen und einen Krimi zu gucken“, meinte ein Zuschauer. Und er hat recht. Sollte irgendwann einmal ein Germanist herangehen und ein Lehrbuch des idealen Schwankes schreiben, „Hömmelzackerlement, wat e Jlöck“ der Raerener Laienbühne wäre ein Musterbeispiel dafür. Diese Inszenierung hat einfach alles, was man braucht, um einen höchst vernüglichen Theaterabend zu bieten: passende Sprüche, Verwechslungen, Liebe, starke Figuren, die natürlich genüsslich karikiert sind, ein sorgfältiges und detailreiches Bühnen- und Kostümbild und vor allem jede Menge Lokalkolorit.

Der Pastor (Robert Kreusch) hat Probleme, denn er braucht „Buusche“. Das Kirchendach ist derart undicht, dass man während der Messe Regenschirme braucht. Um das Geld zu bekommen, brennt er „St. Robair“, Pflaumenschnaps, zieht mit dem Küster „Aujust“ (Roland Lentzen) die Dorfbewohner mit gezinkten Karten über den Tisch und vermietet Zimmer an Menschen, die nicht unbedingt in ein friedliches Pfarrhaus passen. Lüttich zahlt zwar nicht, bekommt aber die „Gschäftle“ des hochwürdigen Herren mit und schickt den Generalvikar (Ben Schumacher). Und dann ist da noch die bigotte Kirchenfabrikratsvorsitzende Hedwig (Caroline Franssen-Fuhrt) und natürlich die Haushälterin (Marion Fuhrt-Schumacher), der eigentliche Kapitän, die das Schiff der Geschichte durch alle Untiefen zu einem guten Ende steuert.

Wesentlich zum Erfolg beigetragen haben Inszenierung, Dramaturgie und Übersetzung von René Chaineux und Dorith Moeris. Die Fehler der Vorlage „Dem Himmel sei Dank“ (Bernd Gombold) wurden korrigiert und das Stück perfekt nach Raeren eingepasst. Die Sprüche und Pointen sind authentisch und auch die Figuren sind echte Raerener Typen. Dramaturgisch gut gemacht ist auch, dass trotz vieler Nebenhandlungen und gattungstypischer Verwechslungsgeschichten der rote Faden in der Handlung nie verloren geht.

Auch die Schmaubären in der nahen „Großstadt“ Eupen bekommen ihr Fett weg.

Auch die schauspielerische Leistung aller Akteure passt einfach. Die Spieler haben sich die Figuren perfekt passend gemacht. Robert Kreusch spielt den Pastoren in Soutane, der nicht weiß, wo ihm der Kopf steht, etwas zurückhaltend. Man merkt ihm an: Er hofft, dass die zahlreichen Kelche an ihm vorübergehen, was sie natürlich nicht tun. Marion Fuhrt zeigt starke Präsenz, denn Fing ist diejenige, die alles regeln und sich auf gewagte Aktionen einlassen muss, um alles zu einem guten Ende zu bringen. Es ist ein Raerener Stück, und so bekommen natürlich auch die Schmaubären in der nahen „Großstadt“ Eupen ordentlich ihr Fett weg. Alexandra Jaminon-Crott ist die Turnlehrerin Heidi, die aus der Hauptstadt gekommen ist, um die Raerener Kinder in Bewegung zu bringen. Herrlich ihr karikierendes Öüper Hochdeutsch mit Knubbele. Resolut schnappt sie sich den Generalvikar und renkt ihm erst einmal den Rücken zurecht.

Auch das Bühnenbild ist passgenau und wunderbar detailreich. Es sind zwei Räume geworden, ein Esszimmer und ein herrliches Arbeitszimmer. Auf dem Tisch liegen Messlektionare kreuz und quer, die Möbel sind im feinsten Gelsenkirchener Barock gehalten und von der Wand aus beobachtet lächelnd Papst Paul VI. das Geschehen.

Wer wissen will, ob der Pastor mit Hilfe der Haushälterin seine Sorgen los wird, der hat Gelegenheit, an den nächsten Wochenenden diesen Theaterspaß im Bergscheider Hof zu genießen. Denn sicher ist nur eines: Die, die sich kriegen sollen, werden sich auch kriegen.

Weitere Aufführungen: 6.4., 7.4., 12.4. und 13.4. Die Aufführung am 7. April ist um 18 Uhr, alle anderen um 20 Uhr. Eintritt 8,50 €.

Kommentare sind geschlossen.