Mehr Zweitsprache im Kindergarten Herbesthal

Unterrichtswesen

Ab September werden die Aktivitäten für die Kinder im Kindergarten der Gemeindeschule Herbesthal bis zu 350 Minuten pro Woche in der Fremdsprache (Deutsch oder Französisch) stattfinden. | Foto: GE-Archiv

Zweisprachigkeit ist wichtig, darüber ist man sich gerade in der Gemeinde Lontzen, quasi mitten auf der Sprachgrenze, einig. Um diese zu fördern, wird in der Gemeindeschule Herbesthal ein Sonderprojekt durchgeführt. Es beginnt im September.

Von Cynthia Lemaire

Im Kindergarten der Gemeindeschule Herbesthal soll mehr Französisch bzw. mehr Deutsch gesprochen werden. Derzeit gibt es im Kindergarten die deutschsprachige und die französischsprachige Abteilung.

Im neuen Schuljahr soll das Projekt begonnen werden, das bis zu 350 Minuten pro Woche in der jeweils anderen Sprache (Deutsch in der französischsprachigen Abteilung/ Französisch in der deutschsprachigen Abteilung) vorsieht. Um dieses Projekt realisieren zu können, muss ein Antrag auf Genehmigung beim Unterrichtsministerium der DG gestellt werden. Der Gemeinderat genehmigte am Montagabend die Ausarbeitung und das Einreichen eines solchen Antrags einstimmig.

Über 70 Prozent der Befragten begrüßen eine intensivere Förderung.

„Wir kennen die Vorzüge der Zweisprachigkeit und sehen es als notwendig an, unseren Kindern in Herbesthal so früh wie möglich bilingualen Unterricht zu ermöglichen“, erklärte Bürgermeister Patrick Thevissen (Energie) während der Ratssitzung. Bevor man sich in Lontzen in Zusammenarbeit mit der Schulleitung und dem Lehrpersonal zu diesem Schritt entschied, wurden auch die Eltern der Herbesthaler Schüler befragt. Von 221 verschickten Fragebögen sind 178 ausgefüllt zurückgekommen. Eine der Fragen lautete: „Das Erlernen einer Zweitsprache ab dem Kindergarten halte ich für wichtig“. 98,72 Prozent der Eltern hatten diese Frage mit Ja beantwortet.

Zwar zeigten sich 83,91 Prozent der Befragten mit dem bisherigen System, in dem bereits die Zweitsprache im Unterricht Anwendung findet (zwischen 50 und 200 Minuten), zufrieden. Doch befürworten 72,86 Prozent eine intensivere Förderung dieser Zweitsprache. Um ganz sicher zu sein, wurde im Fragebogen sogar nachgehakt, ob Eltern ihr Kind anderswo zur Schule schicken würden, wenn die bilinguale Schule eingeführt würde. Lediglich acht Mal wurde diese Frage mit Ja beantwortet.

„Die Elternbefragung hat uns in unserem Vorhaben bestätigt“, so Schulleiterin Véronique Brüll gegenüber dem GrenzEcho. In der Praxis sieht es so aus, dass ab dem 1. September Lehrer aus der französischsprachigen Abteilung für gewisse Aktivitäten in eine deutschsprachige Klasse wechseln und umgekehrt. Somit machen die Kinder die Sprache jeweils an einer Person fest. „Die meisten Kinder können sich ja noch nicht in der Fremdsprache ausdrücken. Sie dürfen natürlich ihre Muttersprache benutzen, die Lehrerin kommuniziert dann aber immer in der Fremdsprache“, erläutert die Direktorin. Sie betont, dass es sich bei dem Projekt um das „Soft-Modell“ handelt. „Wir bezeichnen uns nicht als bilinguale Schule, leben aber die Zweisprachigkeit“, stellt sie klar. Der neue Stundenplan wurde bereits von dem Lehrpersonal ausgearbeitet. Aktuell findet 25 Prozent des Unterrichts im Kindergarten in der Fremdsprache statt. Ab September kommen dann auch Aktivitäten wie Psychomotorik, Theater oder die Ateliers hinzu. Nach drei Jahren findet eine obligatorische Auswertung des Projektes statt. Spätestens dann wird über die Weiterführung im Kindergarten entschieden. „Für mich steht fest, dass die Förderung der Zweisprachigkeit auch in der Primarschule weiter gehen soll und wird. Würde man nach dem Kindergarten aufhören, macht das Ganze wenig Sinn“, so die Schulleiterin.

Ehemalige Schulschöffin wünscht sich enge Begleitung des Lehrpersonals.

Im Rat forderte Sandra Houben-Meessen (Union) eine Begleitung des Projektes bzw. der Lehrpersonen, damit sich diese nicht allein gelassen fühlen. Sie plädierte ebenfalls für eine Bestandsaufnahme des Niveaus der Erstsprache der Kindergartenkinder, auch vor dem Hintergrund, dass nicht alle Kinder zu Hause Deutsch oder Französisch sprechen.

Am 6. Mai findet um 20 Uhr in der Gemeindeschule Herbesthal (Kirchstraße 69) ein Infoabend für Eltern zu diesem Thema statt. Auch Eltern, deren Kinder noch nicht diese Schule besuchen, sind willkommen.

Kommentare sind geschlossen.