Janosch Emonts ist beim FC St. Pauli auf der Suche nach Prozenten

Fußball

Janosch Emonts ist seit vier Jahren dafür mitverantwortlich, dass die Fitness der Fußballprofis von St. Pauli stimmt. Ein Job, der zeitaufwendig und stressig ist. „Wir haben Sechs-Tage-Wochen und sind jedes zweite Wochenende auf Reise. Außerdem ist man quasi dauerhaft auf Empfang, auch an freien Tagen“, sagt der 32-Jährige. | Foto: imago/pmk

Janosch Emonts ist zwar kein Detektiv, aber trotzdem ständig auf der Suche – und zwar nach den letzten Prozenten. Fündig wird der 33-jährige Hergenrather bei den Fußballprofis des FC St. Pauli, die er seit vier Jahren in seiner Funktion als Athletiktrainer an ihre körperlichen Grenzen bringt. Das A und O dabei: die Kommunikation.

Von Carsten Lübke

Janosch Emonts ist ein absoluter Kämpfertyp, und das, seitdem er denken kann: „Ich will immer alles so machen, dass es perfekt ist“, sagt er und schiebt hinterher: „Wenn mir zum Beispiel als Kind beim Jonglieren der Ball heruntergefallen ist, bin ich komplett ausgerastet. Denn ich wusste, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Ein Ansatz, den er bis heute verfolgt. „Der Hunger hat bis heute nie nachgelassen“, berichtet er.

Dass sein Appetit überhaupt angeregt wurde, hat er seinem Vater zu verdanken, und nicht nur das: Sein Senior hat ihm auch die Leidenschaft für das runde Leder „schmackhaft“ gemacht. „Zum Glück“, meint Emonts, „ohne ihn und meine Mutter wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich heute bin.“ Mit „da“ meint der Hergenrather die deutsche Elbmetropole Hamburg, wo er seit vier Jahren als Athletiktrainer beim FC St. Pauli mitmischt. Seine Mission: die Fußballprofis des Kultklubs fit für den Zweitligaalltag machen. Eine ambitionierte Herausforderung, die sich nicht als Einzelkämpfer meistern lässt: „Ich bin nicht alleine dafür zuständig, dass die Spieler ihr Potenzial voll ausschöpfen können, sondern bin nur ein Teil eines Teams.“ Und das besteht insgesamt aus zwölf Köpfen: drei Physiotherapeuten, zwei Mannschaftsärzten, einem Spielanalysten, einem Torwarttrainer, zwei Co-Trainern, einem Chefcoach sowie zwei Athletiktrainern, von denen einer eben ostbelgische Wurzeln hat.

„Wer ein guter Fußballer sein will, braucht gute Athletik“, sagt Emonts.

Ex-St.Pauli-Coach Ewald Lienen (links) hat Janosch Emonts (rechts) im Januar 2015 ans Hamburger Millerntor gelotst. Ein paar Monate zuvor war das Duo, das ein ehemaliger Dozent von Emonts zusammengebracht hatte, noch gemeinsam in Rumäniens 1. Liga aktiv. | Foto: imago/Revierfoto

„Schuld“ daran, dass es Emonts in den Norden Deutschlands verschlagen hat, ist übrigens der Ex-St.Pauli-Coach Ewald Lienen, der heute als Technischer Direktor des Kiezclubs tätig ist. „Ewald und ich kennen uns schon seit einigen Jahren. Der Kontakt ist damals nach meinem Studium zustande gekommen, als mich ein ehemaliger Dozent ihm empfohlen hatte“, erzählt Emonts, der den 65-jährigen Fußballlehrer, auch bekannt als „Zettel-Ewald“, auf Anhieb überzeugte. Das Ergebnis: Lienen lotste den seinerzeit vereinslosen Athletiktrainer Ende 2013 zum rumänischen Erstligisten Otelul Galati – mit Erfolg. Denn das Duo konnte die abstiegsbedrohte Mannschaft zum Klassenerhalt führen. Im Dezember 2014 heuerte Ewald Lienen am Millerntor in Hamburg an. „Im Januar 2015 hat er mich dann dazu geholt“, erzählt Emonts, der früher selbst mal „relativ ambitioniert“ gekickt hat – unter anderem für den FC Eupen und die Zweitvertretung der Alemannia Aachen. Doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück. Die Folge: Er musste seine Fußballschuhe an den Nagel hängen. „Ein Moment, der mich zum Umdenken brachte und mich schließlich an die Kölner Sporthochschule führte, die mir den Weg ins Profigeschäft geebnet hat.“ Und dort trägt er als Athletiktrainer intensiv zum Erfolg der Profis bei. „Denn wer ein guter und siegreicher Fußballer sein will, braucht Athletik. Da kann man technisch oder taktisch noch so stark sein. Wenn die physische und athletische Basis nicht vorhanden ist, kann man sein Potenzial nicht entfalten“, argumentiert Emonts und fügt an: „Wer heute noch behauptet, Fußballspieler seien keine Athleten, der hat keine Ahnung, wovon er redet.“

Reden ist ein gutes Stichwort, denn das muss der 33-Jährige extrem viel – zumindest dann, wenn er die individuellen Defizite der Spieler in den Bereichen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination und Beweglichkeit ausgleichen bzw. verbessern will. „Die Motivation kommt über die Verbesserung, und die kann nur erreicht werden, wenn der Spieler genau versteht, was er dafür tun muss“, sagt Emonts und ergänzt: „Um dieses Verständnis in den Köpfen der Profis erzeugen zu können, ist meinerseits viel Kommunikations- bzw. Aufklärungsarbeit nötig.“

Als Athletiktrainer ist Janosch Emonts nicht immer unbedingt bei allen Spielern beliebt. „Das liegt einfach daran, dass sie bei mir einige Sachen machen müssen, die nicht direkt etwas mit dem Ball zu tun haben, aber trotzdem nötig sind, um fitter zu werden“, erklärt der Hergenrather. | Foto: imago/Baering

In den Trainingseinheiten gilt es, die richtige Balance zu finden, um die Robustheit zu fördern, ohne dabei aber das Wohl der „Jungs“ aus dem Auge zu verlieren. Keine leichte Aufgabe, die auch mal für Unmut bei einigen Akteuren sorgen kann. Deshalb müsse er auch ein paar Dinge diktieren. „Denn Routine ist ein Schlüssel zum Erfolg. Wenn die einmal greift und eine gute Atmosphäre schafft, in der sich die Spieler wohlfühlen, wird es auch schnell leiser.“

Und sollte die Stimmung mal nicht so besonders sein, weiß Emonts ganz genau, was den Profis ein Lächeln ins Gesicht zaubert – und das ist kein stupides Laufen in der Runde. „Das hassen sie nämlich am meisten, wird heutzutage aber auch gar nicht mehr so oft praktiziert“, kommentiert er, „aber wenn der Ball im Spiel ist, steigt der Faktor Freude immer exponentiell.“ Dabei sind die athletischen Übungen ohne Ball, die beim FC St. Pauli immerhin knapp ein Drittel der Trainingseinheiten ausmachen, extrem wichtig. Emonts: „Fußball ist eine einseitige Sportart und den Körper verärgert nichts mehr als einseitige Belastung. Das Athletiktraining schafft den gewünschten Ausgleich.“

Der Hergenrather wäre fast im Rollstuhl gelandet.

Die Erfolgsgeschichte von Janosch Emonts hat aber auch eine Schattenseite, und die ist von Schmerzen geprägt. Eine Tortur, die sich über zehn Jahre zog und im Herbst 2017 so unerträglich wurde, dass er im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf landete, wo schließlich die Ursache allen Übels entdeckt wurde: ein Tumor im Rückenmark. „Es hieß, ein Eingriff sei unumgänglich.“ Satte sechs Stunden lag er auf dem OP-Tisch, aber die haben sich gelohnt: Denn die Fachärzte konnten den komplizierten Eingriff meistern. Und auch wenn heute noch nicht alle Schmerzen verschwunden sind, ist Emonts seinen Rettern unendlich dankbar: „Was sie gemacht haben, ist große Kunst. Ich war dem Rollstuhl ganz nah und wäre ich nicht von den beiden Spezialisten operiert worden, wäre ich jetzt wahrscheinlich querschnittsgelähmt und würde in einem sitzen.“

Apropos sitzen: Wo sieht er eigentlich seinen Platz in den kommenden Jahren? „Nicht auf der Trainerbank. Das ist momentan kein primäres Ziel von mir, gerade nicht nach der Operation. Außerdem gibt es noch so viele Dinge, die ich als Athletiktrainer lernen kann, dass ich mich gerade nur darauf konzentriere.“

Mach’s kurz, Janosch!

Wir diktieren den Satzanfang und Janosch Emonts das Ende: der Hergenrather mal kurz und knapp.

  • Ich hasse es… …zu verlieren.
  • Fußball ist für mich… …der Großteil meines Tages und die Möglichkeit, meine Leidenschaft auszuleben.
  • An Ostbelgien vermisse ich… …vor allem mein Elternhaus.
  • Ich würde niemals… ….nie sagen.
  • Der FC St. Pauli ist ein geiler Club, weil… …die Werte, die hier gelebt werden, einfach etwas ganz Besonderes sind.

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